Bordeaux · Graves

Pessac-Léognan

2025· Unregelmässiges JahrMerlot · Cabernet Sauvignon · Cabernet Franc

Direkt vor den Toren von Bordeaux gelegen, ist Pessac-Léognan die urbanste der grossen Bordeaux-Appellationen: Einige der nördlichen Parzellen sind heute vollständig von den Wohnvierteln der Stadt umgeben, eine Folge ihrer Ausdehnung nach Süden. Doch gerade hier, auf den berühmten Kiesterrassen (Graves) der Garonne, wurden die ersten Qualitätsreben des Bordelais gepflanzt – lange bevor der Médoc seinen Sümpfen entstieg.

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AktivPessac-Léognan

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Der Jahrgang 2025

In Pessac-Léognan zeigt sich 2025 als Jahrgang mit selten erreichter Terroir-Transparenz. Die Appellation hat Weine von eindrucksvoller Reinheit und mineralischer Präzision hervorgebracht, doch der Jahrgang legte deutliche Unterschiede innerhalb ihres Terroirmosaiks offen – sowohl stilistisch als auch bei den Erträgen. Die Rotweine zeigen ein für ein so heisses Jahr paradoxes Profil: strahlende Frucht, klare Säure, moderate Alkoholgrade um 13,3 bis 13,8 % und eher seidige Tannine. Laut dem Haus Clarence Dillon (Haut-Brion, La Mission, Quintus) verbindet 2025 die Stile von 2010, 2016 und 2022 — Fruchtreife gepaart mit viel Frische. Die trockenen Weissweine, das historische Aushängeschild der Appellation, sind ein voller Erfolg: eine Kombination aus lebendiger Säure dank des kühlen Frühlings und reicher Textur durch den warmen Sommer, mit aromatischem, geradlinigem Gaumen. Beim Preis-Genuss-Verhältnis bleibt die Appellation eine sichere Bank unter den grossen Bordelaiser Terroirs, sofern man gezielt auswählt.

Der Jahrgang ist allerdings nicht homogen: in Pessac-Léognan – einer grossen Appellation mit unterschiedlichsten Profilen – ist eine gewisse Uneinheitlichkeit spürbar; La Mission Haut-Brion hat die Härten der Saison besonders gut bewältigt. Lehm- oder kalkgeprägte Anwesen lieferten ausgewogenere, lebendigere Weine mit frischer Säure und feinen Tanninen, während Güter auf reinem Kies bisweilen straffere, konzentriertere Weine produzierten, die eine sehr genaue Kellerhand verlangten. Damit ist 2025 ein Jahrgang für Liebhaber klassischer Lagerweine im Stil der grossen „Frische-Jahrgänge“: Wer elegante, parfümierte und mineralische Pessac-Léognan dem solaren Stil vorzieht, wird hier fündig. Liebhaber lagerfähiger trockener Weissweine sollten zugreifen — sie zählen wohl zu den absoluten Höhepunkten des Bordelaiser Jahrgangs.

Der Jahrgang 2025 in Pessac-Léognan zeichnet sich durch eine sehr frühe und kontrastreiche Saison aus. Ein milder Winter führte zu einem Austrieb um den 25. März, knapp zwei Wochen früher als üblich und der früheste Beginn seit 1989, gefolgt von einer raschen, gleichmässigen Blüte Mitte Mai. Bereits Anfang Juni machte sich ein Wasserdefizit bemerkbar, unterbrochen durch lokale Gewitter über Pessac-Léognan am 13. Juni. Der Sommer kippte in extreme Hitze: die höchste in Bordeaux gemessene Temperatur stammte aus Pessac-Léognan mit 45,9 °C im August, und Haut-Brion verzeichnete 45 Tage über 30 °C gegenüber 34 im Jahr 2022. Ein rettender Regen von rund 65 mm Mitte Juni auf den Lagen der Haut-Brion-Güter habe laut Jean-Philippe Delmas „den Jahrgang gerettet“, bevor zwei weitere Monate Dürre folgten, ergänzt durch entscheidende Niederschläge Ende August. Die Lese gehörte zu den frühesten der Geschichte: in den Graves und in Pessac-Léognan begann die Weisslese bereits Anfang August und ergab aromatische, klare und frische Weine; die Merlots wurden Anfang September, die Cabernets um den 20. September geerntet. Die Erträge sind historisch niedrig, während kiesdominierte Lagen unter der Trockenheit stärker litten, profitierten Terroirs mit Lehm- oder Kalkanteil von besserer Wasserspeicherung und kühleren Nächten.

Terroir

Der Name Graves selbst verrät alles über den Boden: grosse Kiesel, Steine, mehr oder weniger grobe Kiese, Sande, vermischt mit Schluff und Lehm, stellenweise auf Kalkstein ruhend. Ausserhalb des Stadtgebiets zeigt sich eine Landschaft aus Terrassen, die durch Erosion in kiesige Kuppen gegliedert sind und dank ihrer recht steilen Hänge eine ausgezeichnete natürliche Drainage zu den kleinen Nebenflüssen der Garonne gewährleisten. Eine Besonderheit: Die Böden enthalten viel Quarz, der die Sonnenwärme speichert und so eine gleichmässige Reife sowie ein bemerkenswertes Reifepotenzial begünstigt.

Das Klima ist gemässigt ozeanisch, mit einer sehr lokalen Prägung. Der Weinberg wird durch den Landes-Forst nach Westen geschützt, während die Nähe zur Garonne und zum Atlantik für Milde und gleichmässige Luftfeuchtigkeit sorgt. Die Höhenlagen reichen von 3 bis 60 Metern – der höchste Punkt liegt beim Domaine de Chevalier – und jede Gemeinde weist eigene Temperaturnuancen auf, die den Lesezeitpunkt verschieben: Talence ist wärmer als Pessac, Martillac wird nach Léognan gelesen. Dieses Mosaik erklärt die stilistische Vielfalt innerhalb eines doch recht kleinen Terroirs.

Stil der Weine

Die Rotweine aus Pessac-Léognan vereinen Eleganz und Tiefe. Sie zeigen eine dichte, dunkle Farbe, ein kraftvolles Gerüst und ein Bouquet von roten Früchten, ergänzt durch florale Noten. Am Gaumen verbindet sich ein samtiger Auftakt mit einer beeindruckenden Tiefe und einem aussergewöhnlich langen Abgang. Mit den Jahren werden die Tannine seidig und enthüllen die mineralischen, leicht rauchigen Nuancen, die diese Appellation unverwechselbar machen.

Die trockenen Weissweine, die Pessac-Léognan unter den Bordeaux-Appellationen einzigartig machen, entstehen aus der Cuvée von Sauvignon Blanc und Sémillon. Sie präsentieren sich frisch, nervig, fruchtig und überaus aromatisch, mit feinen Röstnoten. Die besten reifen mühelos zehn, fünfzehn oder gar zwanzig Jahre und entwickeln dabei eine vielschichtige Aromatik aus Lindenblüte, kandierten Zitrusfrüchten und Haselnuss.

Geschichte

Die Weinbaugeschichte der Gegend gehört zu den ältesten von Bordeaux. Der Rotwein dieser Zone war jener Wein, den die Engländer unter dem Namen Claret während der drei Jahrhunderte englischer Herrschaft über Aquitanien (1152 bis 1453) liebten. Hier liegt die älteste namentlich bekannte Weinbaudomäne von Bordeaux, das Château Pape Clément, das 1306 von Papst Clemens V. gegründet wurde, und Mitte des 17. Jahrhunderts wurde Château Haut-Brion zum ersten Schloss von internationalem Ruf, gepriesen von Samuel Pepys im Jahr 1663 – zu einer Zeit, da der Médoc noch ein Sumpfland war.

Die Appellation selbst ist hingegen jung: Am 9. September 1987 wurde das Graves-Gebiet südlich von Bordeaux geteilt, und Pessac-Léognan wurde geboren. Die Appellation umfasst den einzigen Rotwein-Erzeuger ausserhalb des Haut-Médoc, der in der Klassifikation von 1855 aufgeführt ist – den Premier Cru Château Haut-Brion – sowie sämtliche im Graves-Klassement von 1953/59 aufgeführten Châteaux, die rund ein Drittel der Produktion ausmachen. Pessac-Léognan ist zudem die einzige Appellation, die in zwei verschiedenen Klassifikationssystemen vertreten ist – ein Detail, das ihre einzigartige Stellung in der Hierarchie von Bordeaux unterstreicht.

Über Pessac-Léognan

Die 1987 durch Abspaltung von der Graves-Appellation entstandene AOC erstreckt sich über zehn Gemeinden südwestlich von Bordeaux. Sie umfasst rund 1640 Hektar und produziert im Schnitt 70 000 Hektoliter, davon über 80 % Rotwein. Sie ist – neben Sauternes – die einzige Bordeaux-Appellation, die in Rot wie in trockenem Weiss auf höchstem Niveau brilliert, und das macht ihren ganz eigenen Charakter aus.

Das önologische Erbe ist beeindruckend: Sämtliche Crus Classés de Graves sind hier versammelt, darunter das legendäre Château Haut-Brion, der einzige nicht-médocaine Premier Cru der Klassifikation von 1855. Von den saftigen, präzisen Rotweinen bis zu den ziselierten Weissweinen, die zwanzig Jahre und mehr reifen können, bietet Pessac-Léognan eine der schönsten Synthesen des Bordelaiser Weinbaus.