Alles über den Jahrgang 2025

Stand 22. April 2026 — Erster Bericht

Lohnt es sich, den 2025er subskribieren?

Unsere Antwort fällt dieses Jahr klar aus: Ja, ohne zu zögern — für die besten Crus und sofern die Preise mit der Qualität Schritt halten. Nach einem schwer zu verkaufenden Jahrgang 2024 und einem Markt, der weiterhin nach Atem ringt, kommt 2025 wie eine echte Verschnaufpause. Ein grosser Jahrgang, klassisch und frisch, der sich in die Reihe der legendären Bordeaux-Jahrgänge «auf 5» einreiht (2005, 2015) — und dazu eine moderne Kellerarbeit, die alles verändert.

Wie ist die Qualität des Jahrgangs 2025 in Bordeaux?

Die Verkostung bestätigt, was sich bereits zur Lese abgezeichnet hatte: Dieser Jahrgang gehört zu den gelungensten des Jahrzehnts. Das ISVV der Universität Bordeaux spricht von einem «Jahr, das in Erinnerung bleiben wird» und von einem Verlauf, der einem theoretischen Idealbild nahekommt. Jean-Marc Quarin vergibt elf Noten von 100/100 — ein Rekord, im Vergleich zu acht Spitzennoten 2022 und sieben 2016 — und verleiht Les Carmes Haut-Brion 2025 die zweite Höchstnote seiner Karriere, neun Jahre nach jener von 2016. Bei 109 Weinen vermerkt er zudem «die beste je im Subskriptionsstadium vergebene Note».

Die Rotweine zeigen eine seltene Kombination: gebändigte Kraft, aromatische Frische, präzise Tannine. Die Alkoholgrade bleiben moderat (12,5 bis 13,5°, selten höher), die pH-Werte gehören zu den tiefsten der letzten Jahre (3,3 bis 3,7 je nach Sektor), die Farben sind sehr dunkel. Das Profil erinnert an 2016 durch seine Frische, doch mit mehr Körper und Dichte — eine direkte Folge der Konzentration in den winzigen Beeren dieser Lese. Jane Anson zieht zudem Parallelen zu 2020 und 2023 hinsichtlich der Struktur — weit entfernt von der Opulenz des 2022ers, die man angesichts der frühen Reife hätte erwarten können.

Die besten Crus offenbaren eine aussergewöhnliche taktile Textur: breiter Auftakt, schmelzender Mittelteil, ein aufsteigendes, salziges und oft überraschendes Finale. Die trockenen Weissweine sind bemerkenswert — präzise, straff, mit einer trotz Sommerhitze bewahrten Säure. Die edelsüssen Weine aus dem Sauternais, getragen von einem idealen Wechsel zwischen Feuchte und Trockenheit, kündigen ebenfalls einen ganz grossen Jahrgang an.

Unsere Mission in Bordeaux

Das gesamte Vinum-Team reiste vom 20. bis 23. April 2026 nach Bordeaux, zur traditionellen Subskriptionswoche. Angesichts der angekündigten Grösse dieses Jahrgangs und der Tragweite der bevorstehenden Einkaufsentscheidungen haben wir unsere gesamte Verkoster-Equipe mobilisiert, um möglichst viele Güter zu besuchen und unsere Auswahl für jedes Terroir differenziert zu treffen. Unser Ziel: die echten Erfolge von Halo-Effekten unterscheiden und für unsere Kundinnen und Kunden jene Crus auswählen, die einen Subskriptionskauf wirklich rechtfertigen.

Das wirtschaftliche Umfeld in Bordeaux

Der Bordeaux-Markt hat sich seit 2024 nicht grundlegend verändert. Asien kauft wenig, die USA bleiben durch zollpolitische Unsicherheit gebremst, und die lieferbaren Bestände sind weiterhin beträchtlich. Doch 2025 verändert die Grosswetterlage psychologisch: Zum ersten Mal seit langer Zeit halten die Châteaux einen Ausnahmejahrgang in den Händen, der die Dynamik neu beleben kann — vorausgesetzt, sie akzeptieren die Realität des Marktes.

Der Druck auf die Eröffnungspreise ist entsprechend gross. Die Branche — Négociants, Courtiers, Importeure — fordert vernünftige Preise, die dem Absatzpotenzial entsprechen, und nicht allein der inneren Qualität des Weins folgen. Alles deutet darauf hin, dass Bordeaux zum ersten Mal in seiner jüngeren Geschichte einen grossen Jahrgang zu nicht verteuerten Preisen auf den Markt bringen könnte. Sollte sich diese Tendenz bestätigen, wird 2025 zu einer historischen Einkaufsgelegenheit — umso seltener, als die produzierten Mengen historisch niedrig liegen.

Das Klima im Jahr 2025

2025 bleibt ein Jahrgang klimatischer Kontraste, am Ende gerettet durch die Präzision des meteorologischen Timings.

Winter und Frühling waren mild und trocken — günstige Bedingungen für einen einwandfreien Gesundheitszustand der Reben, mit sehr geringem Mehltaudruck und einem späten Austrieb Anfang April, erstmals seit mehreren Jahren ohne Frost. Die Blüte, rasch und gleichmässig Ende Mai, sorgte für eine regelmässige Reife, begrenzte jedoch das Mengenpotenzial: Die Knospen hatten sich im Vorjahr unter dem Juniregen 2024 schlecht ausgebildet — eine Hypothek, die sich 2025 bemerkbar macht.

Der Sommer war heiss und von schwerem Wasserstress geprägt. Ein besonders trockener Juni (nur 55 mm) und zwei Hitzewellen — Ende Juni/Anfang Juli sowie vom 8. bis 18. August — setzten die Reben stark unter Druck. Am 11. August verzeichnete Bordeaux 41,6°C im Schatten. Die Beeren blieben sehr klein («année grainive», wie es Christian Le Sommer einst für 1989 nannte), mit dicken Schalen und wenig Saft. Mehrere Güter beantragten eine Ausnahmegenehmigung zur Bewässerung, insbesondere in Margaux und Pessac-Léognan, und Château Lafleur verliess gar die Appellation Pomerol, um in dieser Frage mehr Spielraum zu gewinnen — ein deutliches Zeichen für den laufenden klimatischen Wandel.

Der Regen vom 27. August wirkte als Retter. Verteilt bis Mitte September und je nach Sektor unterschiedlich stark (75 mm in Saint-Estèphe, 45 mm in Pomerol, teilweise nur 5 mm auf dem Kalkplateau von Saint-Émilion) füllte er die Beeren wieder auf, senkte die Alkoholgrade und gab der Tanninreife die nötige Zeit. Die Ernte konnte unter idealen Bedingungen und mit grosser Wahlfreiheit bei den Lesezeitpunkten erfolgen.

Die Erträge sind historisch tief — ein Punkt, bei dem es sich zu verweilen lohnt. Mit 2,29 Millionen Hektolitern für die gesamte Gironde markiert 2025 die kleinste Ernte seit 1991 — also seit 34 Jahren — und liegt zwölf Prozent unter 2024, das bereits bescheiden ausgefallen war. Nach Appellation: 25 hl/ha in Pomerol, 26 hl/ha in Saint-Julien, 29 hl/ha im Haut-Médoc, 30 hl/ha in Margaux. Konkret bedeutet dies: manche Crus werden halb so viele Flaschen produzieren wie in einem normalen Jahr, und die für die Schweiz reservierten Zuteilungen dürften entsprechend knapp ausfallen. Kennerinnen und Kenner wissen es: Grosse Jahrgänge mit kleinen Erträgen sind ab der Auslieferung rasch nicht mehr zu bekommen. Kleine Mengen, grosse Weine — das ist die Signatur des 2025ers, und ein Argument, das von den ersten Preisfreigaben an ernst zu nehmen ist.

Das Profil der Weine

Rotweine

Die technische Herausforderung des 2025ers, mit dicken Schalen und tiefen Alkoholgraden, bestand darin, nicht überzuextrahieren. Nie zuvor waren die Weinmacher besser gerüstet, diese Falle zu umgehen: tiefere Extraktionstemperaturen, sanftere Maischegärung, zurückhaltendes Umrühren, massvoller Einsatz von Pressweinen (nur 13% bei Château Margaux, zum Beispiel). Der Begriff der «Infusion» hat jenen der Konzentration abgelöst.

Das Ergebnis ist bei den besten Crus beeindruckend: Weine, die zugleich dicht und schwebend wirken, strukturiert ohne Strenge, mit einem salzigen, feurigen Finale, das an 2016 erinnert — aber mit mehr Körper. Das linke Ufer profitiert voll von der frischen Energie der Cabernets Sauvignons — besonders in Margaux und in Pessac, wo die Erfolge zahlreich sind. In Pessac überraschen die Weine durch ihre Feinheit trotz der Hitze dieses städtisch geprägten Weinbergs. Am rechten Ufer dominieren die kalkhaltigen Terroirs von Saint-Émilion (Plateau, östliche Hanglagen), während Pomerol heterogenere Ergebnisse liefert, stark abhängig von der Tonlage und dem Umgang mit Wasser auf jedem Gut.

Es ist ein Terroir-Jahrgang mehr als ein Stil-Jahrgang. Anders als 2022, wo die Fülle der Materie fast alle Weine nach oben zog, verlangt 2025 Präzision: Die Auswahl Cru für Cru gewinnt hier ihren vollen Sinn, denn Lesezeitpunkt und Feinheit der Extraktion machen den Unterschied.

Trockene Weissweine

Ein ganz grosser Weissweinjahrgang. Die frühen Lesezeiten — Sauvignons ab dem 11. August, Sémillons ab dem 14. August, eine Premiere bei Yquem und Guiraud — ermöglichten den Erhalt einer bemerkenswerten Säure und eines aussergewöhnlichen aromatischen Potenzials. Die Weine sind präzise, straff, mit einer breiten, nie schwerfälligen Substanz und klaren Noten von Zitrusfrüchten, weissen Blüten und hellen Früchten. Die Mengen sind gering (oft unter 20 hl/ha), was die Zuteilungen entsprechend wertvoll macht.

Zu vermerken: Die neue AOC Médoc Blanc gewinnt dieses Jahr an Bedeutung, mehrere grosse Namen vollziehen den Wechsel — darunter Baron de Brane, der sich Les Griffons de Pichon Baron und Caillou Blanc de Talbot anschliesst.

Edelsüsse Weine (Sauternes & Barsac)

Der ideale Wechsel zwischen feuchten und trockenen Perioden im September erlaubte eine perfekte Entwicklung der Edelfäule. Die durch mehrere sorgfältige Durchgänge konzentrierten Trauben ergeben ausgewogene, aromatische Weine (weisse Blüten, kandierte Zitrusfrüchte), frisch und präzise. Ein grosser Jahrgang für die edelsüssen Weine, auf Augenhöhe mit den schönsten jüngeren Erfolgen.

Erste Stimmen aus der internationalen Fachpresse

Die Kritik ist sich einig in der Würdigung eines Jahrhundertjahrgangs. Jean-Marc Quarin notiert elf Crus mit 100/100 (gegenüber acht 2022 und sieben 2016) und spricht von «zahlreichen Crus, die ihren je besten Wein produziert haben». Jane Anson bestätigt die hohe Qualität, hebt jedoch die Besonderheit dieser Weine hervor: ungewöhnliche Balance, die Konzentration eines warmen Jahrgangs verbunden mit der Frische eines kühlen — ein Jahrgang, den man reifen lassen sollte und der in der Flasche an Lesbarkeit gewinnen wird. Das ISVV bestätigt, dass die fünf theoretischen Bedingungen eines grossen Bordeaux-Jahrgangs 2025 weitgehend erfüllt wurden, und reiht 2025 in die Linie der grossen Jahrgänge «auf 5» ein — 2005, 2015.

  • Rotweine: Die grossen Crus erreichen Höchstniveau. Profil eines 2016er mit mehr Körper, oder eines 2020ers/2023ers in der taktilen Architektur.
  • Trockene Weissweine: Einhellig als einer der besten jüngeren Jahrgänge anerkannt.
  • Edelsüsse: Grosser Erfolg, mehrere Noten über 97/100 werden erwartet.

Vergleich mit den Jahrgängen 2022, 2020 und 2016

KriteriumJahrgang 2025Jahrgang 2022Jahrgang 2020Jahrgang 2016
KlimaHeiss und sehr trocken, rettende Regenfälle Ende AugustSehr heiss, extrem trockenHeiss, trocken, aber ausgewogenTrocken, dann sommerliche Niederschläge
AlkoholModerat (12,5–13,5%)Hoch (14–15%)Hoch (13,5–14%)Moderat (13%)
SäureHoch (pH 3,3–3,7)Mittel bis tiefMittelHoch
Aromatischer StilKlassisch, frisch, tiefgründig, taktilKraftvoll, reich, opulentSamtig, reich, harmonischKlassisch, fein, präzise
ErträgeSehr tief (30 hl/ha)MittelMittelGrosszügig
ReifepotenzialSehr hochSehr hochHochSehr hoch

2025 reiht sich in direkter Nachfolge zu 2016 ein — dieselbe Frische, dieselbe Klassik — jedoch mit einer überlegenen taktilen Dimension und Dichte, verbunden mit der Konzentration der kleinen Beeren. Gegenüber 2022 bietet der Jahrgang mehr Bekömmlichkeit, weniger Alkoholwucht und ein salzigeres Finale.

Fazit

2025 ist ein grosser Bordeaux-Jahrgang, eingebettet in die Reihe der «auf 5» endenden Jahre, die die Geschichte der Region geprägt haben — 2005, 2015. Gross bei den Rotweinen, sehr gross bei den trockenen Weissweinen, sehr gross bei den edelsüssen — ein seltener Dreiklang über alle Farben hinweg. Und dazu eine selten gesehene strukturelle Knappheit: die kleinste Ernte seit 34 Jahren, mit Parzellen, die teilweise nur halb so viel tragen wie in einem normalen Jahr.

In einem noch genesenden Markt hängt nun alles an der Preispolitik der Châteaux. Bewegen sich die Eröffnungspreise in vernünftigen Bahnen, wird 2025 zum Einkaufsjahrgang des Jahrzehnts: aussergewöhnliche Qualität, historisch knappe Mengen, klassisches und bekömmliches Profil, bemerkenswertes Reifepotenzial. Die Zuteilungen werden limitiert sein — bei besonders gefragten Crus bleibt die Subskription die einzige Einstiegsmöglichkeit, bevor sie für mehrere Jahre verschwinden.

Wir verfolgen die Preisfreigaben Woche für Woche und teilen Ihnen, sobald die Tarife feststehen, unsere Empfehlungen Cru für Cru mit. Für 2025 lohnt es sich, im Keller Platz zu schaffen — und rechtzeitig zu reagieren.