Bordeaux · Médoc

Margaux

2025· Grosser JahrgangCabernet Sauvignon · Merlot · Petit Verdot

Margaux ist die südlichste Appellation des Médoc, etwa zwanzig Kilometer nördlich von Bordeaux gelegen. Sie ist die grösste der sechs Gemeinde-AOC und die einzige, die den Namen eines Premier Grand Cru Classé trägt – des legendären Château Margaux, dessen aussergewöhnliches Terroir einen der elegantesten Weine der Region hervorbringt. Auf rund 1500 Hektar versammeln sich etwa sechzig Güter unterschiedlichster Herkunft: Grands Crus Classés von 1855, Crus Bourgeois und Crus Artisans.

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Der Jahrgang 2025

2025 ist in Margaux ein ernst zu nehmender Lagerjahrgang, trotz der Sommerhitze eher klassisch als solar geprägt. Die Appellation brachte eine der elegantesten und überraschendsten Ausdrucksformen des Jahrgangs hervor, mit unterschiedlichen Stilen je nach Lese- und Vinifikationsentscheidungen. Die Weine zeigen reife, aber nicht schwere Tannine, einen einzigartigen floralen Ausdruck, saftige und präzise Frucht sowie eine geschmeidige, seidige Textur, gerahmt von Spannung, Energie und Mineralität. Weniger «solar» oder überschwänglich als 2022, sind sie klassischer und frischer – im Kopf vieler Winzer nahe an 2016 – bei gleichzeitiger Konzentration und Dichte eines warmen Jahrgangs. Beim Preis-Genuss-Verhältnis ist die Lage besonders: Die Qualität ist da, aber die kleinen Mengen wiegen schwer, und die Kampagne entscheidet sich nun an vernünftigen Subskriptionspreisen, um die Liebhaber zurückzugewinnen.

Glänzen konnten jene Häuser, die mit dem Cabernet Sauvignon auf die volle Reife warteten, und jene, deren tiefgründige Kiesterroirs den Niederschlag Ende August besser aufgenommen haben. Insgesamt erscheinen die Weine allerdings etwas heterogener und etwas weniger ausgeprägt im Appellationscharakter als in den anderen führenden Médoc-Appellationen – sorgfältige Auswahl ist also gefragt. Wie eine Winzerin der Appellation zusammenfasste, sei es «ein wirklich schöner Trinkjahrgang»: jung bereits mit Vergnügen zugänglich, aber auch über dreissig Jahre lagerfähig. Margaux 2025 spricht somit ebenso geduldige Lagersammler an wie Geniesser eines duftigen, blumigen und spannungsreichen Médoc – sofern man auf die besten Häuser setzt.

In Margaux entschied sich der Jahrgang 2025 in den Details. Nach den Turbulenzen von 2024 begann das Jahr ohne Frostrisiko und ohne Mehltaudruck, doch der kühle, regnerische Frühling 2024 hatte die Blütenanlage geschwächt und 2025 von vornherein zu einem kleinen Jahrgang gemacht; von Mai bis Ende August war es heiss und trocken, mit kaum nennenswertem Sommerregen. 2025 verzeichnete fast vierzig Tage über 30°C und Spitzenwerte nahe 46°C. Während der Juni während der Zellteilung aussergewöhnlich trocken war und mehrere Tage 40°C überschritten, kamen die leichteren Niederschläge Ende August/Anfang September (rund 60 mm) genau zum richtigen Zeitpunkt, milderten den Stress und mässigten die Zuckerwerte ohne Verdünnung. Der hydrische Stress variierte allerdings stark zwischen den Sektoren und einzelnen Terroirs der Appellation – stärker als anderswo, schon allein wegen der grossen Ausdehnung von Margaux. Die Lese erstreckte sich von Anfang September für die frühesten Merlots bis Ende des Monats für die Cabernets Sauvignons. Der wunde Punkt des Jahrgangs sind die Erträge: mit durchschnittlich 29 hl/ha wurde der niedrigste je in der Appellation gemessene Ertrag für einen Jahrgang ohne Frostschäden registriert – rund ein Viertel unter dem Zehnjahresdurchschnitt.

Terroir

Das Weinbaugebiet erstreckt sich rund 25 Kilometer nördlich von Bordeaux am linken Ufer der Gironde, über die Gemeinden Arsac, Cantenac, Labarde, Margaux-Cantenac und Soussans. Seine Eigenart verdankt es den Böden: Sie sind die magersten des Médoc und enthalten den höchsten Kiesanteil, was eine ausgezeichnete Drainage gewährleistet, während der Landes-Wald im Westen die Reben vor den atlantischen Winden schützt. Dieser von der Garonne abgelagerte Kies bildet ein zentrales Plateau von 6 km Länge und 2 km Breite mit sechs während des Quartärs entstandenen Terrassen über einem tertiären Untergrund aus Kalkstein oder Mergel-Tonen – das bemerkenswerteste Kiesbodenmosaik des Haut-Médoc.

Das gemässigte ozeanische Klima, mild im Winter, vor Hitzewellen geschützt im Sommer und mit gut verteilten Niederschlägen, profitiert zudem von der Nähe der Gironde-Mündung, die Temperaturen ausgleicht und vor Spätfrösten schützt. Die besonders leichten Kiese im Kern der Appellation – um Margaux und Cantenac – verleihen dem Wein seinen geschmeidigen, beweglichen Charakter; im Vergleich zu Pauillac und Saint-Estèphe weiter nördlich, wo mehr Lehm vorherrscht, sorgt der gut drainierende und warme Kies dafür, dass die Trauben früher reifen.

Stil der Weine

Margaux gilt zweifellos als die femininste Appellation des Médoc. Die ausschliesslich roten Weine zeigen eine intensive Farbe und ein hervorragendes Reifepotenzial, eine von fruchtigen Aromen unterstrichene Finesse, eine geschmeidige Textur, samtige Tannine und echte Delikatesse. Die Robe ist tief granatrot, das Bouquet entfaltet zarte und zugleich intensive Noten von Veilchen, dunklen Früchten wie Brombeere und Pflaume sowie balsamische, würzige und rauchig-tabakige Akzente.

Hinter diesem eleganten Bild verbergen sich jedoch auch Tiefe und Struktur. Die besten Weine besitzen die Tiefe, Struktur und Konzentration, die man auch in den nördlicheren Gemeinden findet, kombinieren diese aber mit einem betörenden Parfum, einer seidigen Textur und einer Finesse, die anderswo selten erreicht wird. Sie erreichen ihre Trinkreife in der Regel etwas früher als Pauillac oder Saint-Julien, bieten aber in den grossen Jahrgängen ein bemerkenswertes Lagerpotenzial.

Geschichte

Die ersten Reben wurden bereits in gallo-römischer Zeit gepflanzt, und spätestens Ende des 17. Jahrhunderts hatte sich Margaux einen Ruf als grosser Wein erworben, was unter anderem Thomas Jefferson zu einem Besuch veranlasste. Es folgte die berühmte Klassifikation von 1855 auf Initiative von Napoleon III.: 21 Grands Crus der Appellation wurden von insgesamt 61 klassiert – die höchste Dichte aller Bordeaux-Gemeinden. Die AOC Margaux wurde offiziell durch das Dekret vom 10. August 1954 anerkannt, nach langen politischen Auseinandersetzungen rund zwanzig Jahre nach Saint-Julien, Pauillac und Saint-Estèphe.

In den letzten Jahrzehnten hat die Appellation einen bemerkenswerten Qualitätssprung vollzogen. Margaux ist heute Vorreiterin in Sachen Biodiversität und nachhaltigem Weinbau: 20 % der Erzeuger sind bio oder biodynamisch zertifiziert, 70 % unterzeichnen eine Biodiversitätscharta – mehr als irgendwo sonst im Médoc. 2017 wurden zudem die Gemeinden Margaux und Cantenac zusammengelegt, und zahlreiche Güter – von Palmer über Durfort-Vivens bis Cantenac Brown – erneuern ihre Anbau- und Kellermethoden grundlegend.

Über Margaux

Der Margaux-Stil ist unverwechselbar: ein betörendes Parfum, eine seidige Textur, eine Finesse, die Tiefe und Struktur keineswegs ausschliesst. Margaux besitzt einen schwer fassbaren Charme, der den Unterschied macht, und einen eleganten, femininen Stil, der schlicht unwiderstehlich ist. Es ist eine der aristokratischsten Ausdrucksformen des Cabernet Sauvignon am linken Ufer.

Hinter der Königin des Médoc verbergen sich aber auch eine grosse Terroirvielfalt und eine neue Dynamik. Diese Vielfalt führt dazu, dass sich die Weine von Margaux nicht nur von ihren Nachbarn, sondern auch untereinander unterscheiden, wobei Stil und Ertrag innerhalb eines Jahrgangs erheblich variieren können – für den Liebhaber zahlreiche Gelegenheiten, eine Appellation mit vielen Gesichtern zu entdecken.